Dich hindert nur ein einziges Problem daran glücklich zu sein

Wirst du regelmäßig am Anfang des Urlaubs krank? Streitest du dich mit deinem Partner, wenn du beruflich gerade Grund zu feiern hast? Überfrisst du dich, obwohl du dich gerade wohl gefühlt hast?

 

Gay Hendricks erklärt in „The Big Leap“, wie Selbstsabotage entsteht. Ich habe das Buch gelesen und teile die wichtigsten Erkenntnisse mit dir: Wie erkennst du, dass du dich selbst sabotierst? Wie kannst du damit aufhören?

Warum sabotieren wir uns selbst?

Glücklicher werden ohne Selbstsabotage

Glaubst du: Es ist unmöglich, immer glücklich sein?

Ein Leben ohne Konflikte ist langweilig?

Du bist nicht für wahnsinnigen Erfolg gemacht?

 

Wenn du beruflich sehr erfolgreich sein möchtest, dann schränkt das notgedrungen dein Familienleben ein? Und umgekehrt, wenn du ein liebevolles, lebendiges Familienleben haben möchtest, dann kannst du dich nicht auf deine Karriere konzentrieren?

 

Das sind alles Beispiele für Überzeugungen, die dich einschränken.

 

Solange du nicht für möglich hältst, dass du eine lebendige, beglückende Partnerschaft und ein erfülltes, erfolgreiches Berufsleben haben kannst, wird das auch nicht passieren. Solange du nicht glaubst, dass man dauerhaft zufrieden sein kann, wirst du immer wieder unzufrieden sein. Solange du nicht glaubst, dass du erfolgreich sein kannst, wirst du es auch nicht sein.

 

Wir können nur das in die Welt bringen, was wir für möglich halten.

 

Viele dieser einschränkenden Glaubenssätze hast du schon als Kind gelernt. Hast du von deinen Eltern und Lehrern folgende Sätze gehört?

 

Schuster, bleib bei deinem Leisten.

Hochmut kommt vor dem Fall.

Nur nicht übermütig werden!

Man kann nicht alles haben.

Alles hat seinen Preis.

 

Kinder lernen von ihren Eltern und ihrer Umgebung. Sie übernehmen Überzeugungen, ohne sie hinterfragen zu können. Als Erwachsener kannst du überprüfen, ob du diese früh gelernten Überzeugungen noch brauchst.

 

Du hast auch Glaubenssätze über dich selbst gebildet. Viele von uns tragen ihre persönliche Version der Geschichte „Mit mir stimmt etwas nicht“ oder „Ich bin nicht gut genug“ mit sich herum. Solange du das glaubst, wirst du nicht rundum glücklich und erfolgreich sein.

 

Vielleicht glaubst du auch, dass du deiner Familie treu bleiben musst und deshalb nicht zu glücklich sein darfst. Oder zumindest nicht erfolgreicher als deine Schwester oder dein Vater.

 

Als Kind hast du gelernt, wie gut es dir gehen darf. Jetzt trägst du ein vollautomatisches Klimakontrollsystem mit dir herum. Wenn es zu warm wird, dann springt die Klimaanlage an und kühlt dich herunter. Eine gewisse Temperatur, ein gewisses Maß an Wohlbefinden, kannst du nicht überschreiten. Da dieser Mechanismus nicht bewusst abläuft, ist er dir bisher wahrscheinlich verborgen geblieben.

 

Gay Hendricks behauptet, dass wir alle das Problem des oberen Limits haben, im Original das Upper Limit Problem. Dieses Problem führt dazu, dass du abstürzt, wenn es dir „zu gut“ geht.

 

Du erlaubst dir nicht, über eine unsichtbare Grenze von Liebe, Erfolg, Kreativität und Geld hinauszuwachsen. Du kannst nur eine gewisse Menge positiver Energie in deinem Leben ertragen. Dieses Problem ist das einzige, das dich davon abhält, dein volles Potenzial zu leben. 

 

Es wird Zeit, das Thermostat neu einzustellen.

Wie kannst du erkennen, dass du dich selbst sabotierst?

Du hast ein wichtiges, berufliches Projekt triumphierend abgeschlossen. Du kommst nach Hause, aufgeregt deinem Partner davon zu erzählen. Statt gemeinsam zu feiern, ist die Stimmung mies, und ihr fangt an euch zu streiten. Die Klimaanlage ist angegangen und kühlt kräftig.

 

Du machst eine Reise, auf die du dich schon ewig freust: Skifahren mit deinen Freunden. Deine Kinder bringst du bei ihren Großeltern unter. Die Aufgaben im Job sind erledigt. Es geht los! Leider verrenkst du dir am zweiten Tag den Knöchel. Dein Klimakontrollsystem hat zugeschlagen.

 

Ein typisches Anzeichen von Selbstsabotage ist: Eben ging es dir noch gut und plötzlich fühlst du dich schlecht.  Die beliebtesten Verhaltensweisen, um sich selbst zu sabotieren, sind:

  • Sorgen und negative Gedanken
  • Kritik und Schuldzuweisungen
  • Streit
  • Krank werden und sich verletzen
  • Abblocken von positiver Energie

Dein Ticket zur Hölle: Sorgen und negative Gedanken

Wenn du dir negative Szenarien ausmalst, ist das ein schneller und wirksamer Weg, um dich schlecht zu fühlen.

 

Stell dir vor, du sitzt im Urlaub am Meer und trinkst mit einem Strohhalm Kokosmilch direkt aus der Nuss. Die Sonne scheint so schön, dass du deine Sonnenbrille trägst und im Schatten sitzt. Das Meer rollt mit einem wohligen Rauschen an den Strand. Perfekt.

 

Plötzlich fällt dir ein, dass in der Firma, in der du arbeitest, momentan über eine Standortzusammenlegung gesprochen wird. Was ist, wenn jetzt gerade darüber diskutiert wird, deine Stelle zu streichen? Wahrscheinlich kriecht dein Kollege gerade deiner Chefin in den Hintern. Vielleicht hast du keinen Job mehr, wenn du aus dem Urlaub zurück kommst!

 

Oder dir fällt ein, dass deine Mutter sich schon länger nicht gemeldet hat. Geht es ihr gut? Was ist, wenn sie hingefallen ist und niemand hat es gemerkt? Du siehst sie hilflos in ihrem Badezimmer liegen. Dein Magen zieht sich zusammen, dein Hals wird trocken. Du musst sie unbedingt anrufen.

 

Sorgen und Befürchtungen können dich blitzschnell vom schönsten Wohlgefühl in einen ängstlichen oder ärgerlichen Zustand bringen.

 

Wenn du bemerkst, dass du dir Sorgen machst, frag dich: Ist das eine reale Möglichkeit? Kann ich jetzt etwas unternehmen, um es zu ändern?

 

Wenn du dir Sorgen machst, dass du den Herd angelassen hast: Ja, das ist eine reale Möglichkeit und du kannst zurückgehen und nachschauen. Du kannst auch jemanden anrufen und bitten nachzuschauen.

 

Die meisten Sorgen haben nichts mit der Realität zu tun. Wenn du nichts unternehmen kannst, um es zu ändern, dann ist es absolut sinnlos, dir darüber Sorgen zu machen!

So entkommst du der Sorgen-Falle

Wenn du dich dabei erwischst, dass du dich mit Sorgen und negativen Gedanken aus einem positiven in einen negativen Zustand bringst: Hervorragend!

 

Wenn du es merkst, kannst du es ändern. Hier ist eine praktische Anleitung, wie du dich in einem solchen Moment für mehr positive Energie öffnest.

  1. Bemerke, dass du dir Sorgen machst.
  2. Stopp. Lass die sorgenvollen Gedanken fallen wie ein Stück glühende Grillkohle.
  3. Lenke deine Aufmerksamkeit auf folgende Frage: Welche neue, positive Sache versucht an die Oberfläche zu kommen?
  4. Fühle in deinem Körper, welches angenehme Gefühl auftaucht. Such nicht nach einer Idee oder einem Gedanken. Spüre in deinen Körper hinein. Das ist das Ding mit Armen und Beinen.
  5. Öffne dich für dieses positive Körpergefühl und fühle es so lange und vollständig wie du kannst. Koste es aus.
  6. Später fällt dir vielleicht ein, was diese positive, neue Sache bedeutet.

Kritik richtet sich immer gegen dich

Ich habe früher oft meinen Mann kritisiert. Ich war ganz sicher, dass ich recht hatte und dass ich ihm unbedingt sagen muss, was er falsch macht. Da ich hervorragend argumentieren kann, hat er unsere Wortwechsel in der Regel „verloren“.

 

Das hat mich darin bestätigt, dass ich recht hatte. Inzwischen habe ich gemerkt, dass es nichts mit meinem Mann zu tun hat, wenn ich glaube, dass ich ihn kritisieren muss. Und dass ihm kein Argument einfällt, das ich akzeptiere, bedeutet nicht, dass ich recht habe.

 

Wenn du jemanden kritisierst, hat das in der Regel nichts mit der anderen Person zu tun. Du kritisierst, weil du dein Limit an positiver Energie erreicht hast.

 

Du bist dir sicher, dass der Andere sich falsch verhält. Dass es an ihm liegt. Du lieferst messerscharfe Gründe, warum du recht hast. Du bist wie in Trance. Du merkst nicht, dass deine Kritik nichts mit dem Anderen zu tun hat.

 

Mach dir folgendes klar: Wenn du jemanden kritisierst, dann sorgt das immer dafür, dass DU dich schlechter fühlst als vorher.

 

Probier es aus. Wenn du das nächste Mal jemanden kritisierst, spüre in deinen Körper hinein. Fühle wie es dir dabei geht. Ich verspreche dir: Das ist nicht schön. Aber lehrreich. Ich spreche aus Erfahrung.

 

Kritik ist eine Sucht. Dabei spielt es keine Rolle, ob du eine andere Person kritisierst oder dich selbst. Das kannst du leicht testen: Wenn du nicht süchtig nach Kritik bist, dann kritisiere einen ganzen Tag lang niemanden. Nur einen Tag lang. Wenn es keine Sucht ist, dann ist das nicht schwer.

 

Kritik ist in der Regel genauso wenig real wie Sorgen. Eine reale Kritik wäre: Du stehst auf meinem Fuß. Bitte nimm ihn jetzt runter.

In jedem Streit geht es um dieselbe Sache

Es ist ziemlich klar, dass du mit Streit deine positive Energie sabotierst. Überraschend ist, dass es in jedem Streit um dieselbe Sache geht.

 

Wenn zwei Menschen sich streiten, dann streiten sie sich immer darum, wer das größere Opfer ist. Wer hat wem größeres Unrecht getan. Wer hat angefangen. Wer ist schuld. Wer muss Wiedergutmachung leisten.

 

Der einzige Ausweg ist: 100% Verantwortung dafür zu übernehmen, was bisher passiert ist.

 

Das scheint viel verlangt - aber was ist die Alternative? Eine Diskussion darüber, wie die Verantwortung zu verteilen ist. Bist du zu 73% verantwortlich und ich zu 27%? Oder eher 54% zu 46%? Nur wenn beide jeweils 100% der Verantwortung übernehmen, können sie konstruktiv zusammenarbeiten.

 

Das heißt für mich: Ich übernehme 100% der Verantwortung. Es heißt nicht: Mein Partner muss 100% der Verantwortung übernehmen. Ob er das tut oder nicht, ist seine Entscheidung.

Krank werden und sich verletzen als Selbstsabotage

Kennst du jemanden, der oft krank ist und gerne darüber jammert? Hast du schon einmal gedacht, dass diese Person das Kranksein verwendet, um sich als Opfer zu fühlen und sich herunterzuziehen? Wir sehen solche Verhaltensweisen bei anderen klarer als bei uns selbst.

 

Nicht jede Krankheit und jeder Unfall sind Selbstsabotage. Manche schon. Wenn du krank wirst oder dich verletzt, wenn es dir gerade ganz besonders gut geht, dann kann es sein, dass es dein Problem des oberen Limits ist.

 

Krankheiten und Verletzungen verwenden wir oft als Strafe oder als Schutz. Das ist wirkungsvoll, und wir zahlen einen hohen Preis.

 

Wenn du überlegst, ob du krank geworden bist oder dich verletzt hast, weil du dich selbst sabotierst, dann frag dich:

  • Bestrafst du dich damit für etwas?
  • Schützt du dich vor etwas, das du nicht tun oder erleben möchtest?

Symptome verschwinden manchmal wie von Zauberhand, wenn die zugrunde liegenden Mechanismen erkannt werden.

Abblocken von positiver Energie

Du hast Kuchen für deine Kolleginnen mitgebracht. Eine von ihnen sagt zu dir: „Der schmeckt aber außergewöhnlich gut.“ Du antwortest: „Der ist gar nicht so gut geworden. Von der einen Seite ist er total verbrannt.“

 

Merkst du, wie die positive Energie ins Leere läuft? Du lässt sie nicht an dich herankommen. Wie wäre es, wenn du das Positive annimmst?

 

Du könntest antworten: „Ich freue mich, dass er dir schmeckt. Ich finde ihn auch lecker. Als ich ihn aus dem Ofen geholt habe, habe ich einen Schreck bekommen, weil er so dunkel aussah.“

 

Es gibt noch mehr Möglichkeiten, dich selbst zu behindern. Wenn du in einer Beziehung wesentliche Gefühle versteckst oder Verabredungen nicht einhältst, dann behinderst du den Fluss der positiven Energie. Das gleiche gilt, wenn du jemandem gegenüber wesentliche Wahrheiten verschweigst.

 

Auch Essen kann eine Form der Selbstsabotage sein. Wenn du dich überisst und dir hinterher Vorwürfe machst, ist das ein sicherer Weg, um dich schlecht zu fühlen.

Hör auf dich selbst zu sabotieren und entdecke das Genie in dir.

In Hendricks Buch geht es um mehr. Es geht darum, deine Komfortzone zu verlassen und in deine Genie-Zone hineinzuwachsen. Deine Selbstsabotage zu erkennen und zu stoppen, ist dabei der erste und wesentliche Schritt. So lernst du immer mehr positive Energie in deinem Leben zuzulassen.

 

Für mich war das Buch unheimlich bereichernd. Ich empfehle dir, es zu lesen. Hendricks hat es auf englisch The Big Leap: Conquer Your Hidden Fear and Take Life to the Next Level* geschrieben. Es ist auch auf deutsch unter dem Titel Lebe dein Leben, bevor es andere für dich tun: Mehr wagen und über sich selbst hinauswachsen* erschienen.

 

Kannst du eine Form der Selbstsabotage an dir entdecken? Erzähle mir in den Kommentaren davon.

 

* Affiliate-Links. Das bedeutet: Wenn du das Buch über diesen Link bestellst, bekomme ich einen kleinen Prozentsatz des Kaufpreises. Für dich kostet es dasselbe. Wenn du es bei Amazon bestellst, freue ich mich, wenn du den Link verwendest. Ich freue mich genauso, wenn du die Buchhändlerin bei dir um die Ecke unterstützt.

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Kommentare: 5
  • #1

    Antje (Mittwoch, 28 November 2018 11:34)

    Liebe Daria, danke für diese Zusammenfassung. Ich finde einiges sehr interessant und gleichzeitig bemerke ich ein großes Unwohlsein. Diese Theorie der Selbstsabotage ist ja nicht neu.
    Was mich an Konzepten dieser Art sehr stört, ist, dass jemand etwas behauptet, vorgibt, was wir angeblich "falsch" machen und Tipps, wie man es "besser" macht. Das macht immer irgendwie Stress und was passiert bei Stress? Genau das "Falsche" vor dem "gewarnt" wird.
    Ich bin so froh, durch The Work einfach alles hinterfragen zu können und bin dadurch von allen möglichen Konzepten weggekommen.
    Für mich ist worken das Gegenteil dieser Konzepte, das Hinterfragen jedes Konzeptes. Und mein Eindruck ist, dass es soooviiieeele solcher gut gemeinten Theorien gibt, mit denen sich der moderne, an "Selbstoptimierung" interessierte Mensch befasst und dass sie wie Gefängnisse wirken.
    Zumindest nehme ich das so wahr. Es führt mich aus dem friedlichen Sein mit dem was ist, weg hinein in eine Welt, in der ich einen Zustand - z.b. "ich bin krank" 1. festlege und 2. nach Gründen dafür suche und damit in ein Konzept reingehe - in diesem Fall Selbstsabotage.
    Ich habe das früher auch geglaubt, dass es so etwas wie Selbstsabotage geben könne und ich habe festgestellt, dass es für mich nicht wahr ist.

  • #2

    Antje (Mittwoch, 28 November 2018 13:33)

    Was mir sehr gefällt, ist die Beschreibung der Streitdynamik und was über's Kritisieren gesagt wird. Das finde ich sehr hilfreich.

  • #3

    Daria Schymura (Mittwoch, 28 November 2018 14:12)

    Liebe Antje,
    danke für deine Kommentare. Ja, ich sehe das total, dass man diesen Artikel und das Buch als Anlass für Selbstoptimierung nehmen kann. Und das ist stressig. Ich habe das Buch von Hendricks nicht so verstanden.
    Trotzdem hatte ich beim Lesen des Buches auch einen Stressmoment, und das war tatsächlich das Konzept der Selbstsabotage. Mein Verstand hat da im ersten Moment draus gemacht "Ich bin selber schuld, wenn es mir schlecht geht." Das ist sehr stressig.
    Für mich haben die hilfreichen Beschreibungen in dem Buch bei weitem überwogen, deshalb habe ich es für den Artikel ausgewählt. Ich fand besonders den Teil über Sorgen, über Kritik und Streit prima, deshalb gehe ich da näher drauf ein. Es gibt auch noch ein wunderbares Kapitel über Zeit, aber das hätte den Rahmen des Artikels gesprengt.
    Ich vertraue darauf, dass meine Leserinnen nur das für sich aufnehmen, was für sie gut funktioniert!

  • #4

    Daria Schymura (Mittwoch, 28 November 2018 14:16)

    Und ja, Antje, Selbstsabotage gibt es nicht. Ich habe einen Artikel über etwas geschrieben, das es nicht gibt. Und für mich ist er hilfreich.

  • #5

    Antje (Samstag, 01 Dezember 2018 00:37)

    Danke für deine Kommentare, Daria. Austausch tut gut. Alles Liebe.