Aufschieberitis: So wirst du sie los

Ist dein Schreibtisch immer ordentlich, deine EMails und ToDo-Listen sind erledigt, alle Rechnungen bezahlt, die Wäsche gewaschen und die Wohnung aufgeräumt? Dann ist dieser Artikel nichts für dich. Du musst wirklich nicht weiterlesen.

 

Oder gibt es diese EMails, die schon lange in deinem Postfach herumlungern, weil du sie eigentlich beantworten willst? Liegt auf deinem Schreibtisch ein Stapel Papier, der dich nervt und den du nur wegsortieren müsstest? Ist schon wieder ein Tag vergangen, an dem du nicht die Wäsche gewaschen hast, obwohl du es dir vorgenommen hast? Hast du dieses Projekt, dass du gerne starten würdest, und du tust es einfach nicht? Stattdessen räumst du lieber die Küche auf. Ich fühle mit dir! Ich kenne das gut. Es ist ein Quell von Ärger, Selbstvorwürfen und schlechter Laune, wenn man nicht das macht, was man sich vorgenommen hat, und gleichzeitig glaubt, dass man es tun sollte.

 

In diesem Ärger liegt wie immer auch die Chance zu mehr Selbsterkenntnis und Klarheit. Ein ganz frisches Beispiel aus meinem Leben ist das folgende: Ich sitze heute Morgen an meinem Schreibtisch und habe zwei Stunden Zeit, um Dinge am Computer zu erledigen, bei denen ich mich konzentrieren muss. Ich habe mir vorgenommen, ein paar kurze EMails zu beantworten und einen neuen Blog-Artikel zu schreiben. Ich schreibe die geplanten EMails. Dann öffne ich die Datei mit den Entwürfen für neue Artikel. Dann kommt eine neue EMail, ich lese sie und plötzlich stelle ich fest, dass ich seit ein paar Minuten auf Facebook surfe. Ich höre die Stimme in meinem Kopf sagen: »Du wolltest doch einen Blogartikel schreiben!«

 

Da du diesen Artikel liest, weißt du, dass ich in diesem Fall auf die Stimme in meinem Kopf gehört habe und letztendlich diesen Artikel geschrieben habe. Was hat mir dabei geholfen?

In solchen Situationen von akuter Aufschieberitis haben sich folgende beiden Übungen für mich bewährt.

 

Übung 1: Dem Widerstand auf die Spur kommen

 

Schreibe eine Liste, warum du die Aufgabe nicht machen möchtest. Was hält dich davon ab? Warum willst du das jetzt nicht tun?

Ich habe das heute Morgen gemacht und das ist meine Liste:

Ich fange nicht an den Blogartikel zu schreiben, ...

  • weil er nicht gut wird.
  • weil das Schreiben anstrengend ist.
  • weil ich dann auch weitermachen muss.
  • weil meine Texte peinlich sind.

Wenn du deine Liste geschrieben hast, lies sie dir in Ruhe durch. Sei einen Moment still mit diesen Sätzen. Überprüfe einen oder alle der Gedanken mit THE WORK. Wenn du den Impuls hast, die Aufgabe zu erledigen, kannst du das natürlich machen und die Work auf später verschieben.

Heute Morgen hat es mir gereicht, mir bewusst zu machen, welche Gedanken mich vom Schreiben abhalten. Als ich die Liste vor mir hatte und einen Moment damit still war, hatte ich den Impuls, diesen Artikel zu schreiben. Das habe ich dann auch getan. Später werde ich einen oder alle Sätze von dieser Liste mit THE WORK hinterfragen. Für mich ist besonders der Gedanke »Wenn ich anfange, dann muss ich auch weitermachen.« interessant.

 

Übung 2: Wie sollte es in einer perfekten Welt sein?

 

Eine andere Übung, die sich für mich bewährt hat, ist aufzuschreiben, wie es sein sollte. Heute Morgen hätte meine Liste so ausgesehen:

  • Ich sollte jetzt den Artikel schreiben.
  • Ich sollte mich nicht ablenken.
  • Ich sollte dieses Zeitfenster nutzen.
  • Schreiben sollte mir leichter fallen.
  • Ich sollte disziplinierter sein.

Auch die Sätze auf dieser Liste hinterfrage ich mit THE WORK. Frage dich: Ist das wirklich wahr, dass du diese Aufgabe machen solltest? Ja oder nein? Kannst du das mit absoluter Sicherheit wissen? Beobachte, wie du reagierst und was passiert, wenn du glaubst, dass du diese Aufgabe machen solltest und du machst sie nicht. In meinem Beispiel »Ich sollte jetzt den Artikel schreiben.« beobachte ich, dass ich unzufrieden bin und dass ich innerlich mit mir meckere. Dass ich mich mies und unfähig fühle. Ich habe ein schales, übles Gefühl im Bauch. Ich habe den Impuls auf Facebook »zu verschwinden«. Ich bin im Widerstand, wenn ich glaube, dass ich jetzt den Artikel schreiben sollte und ich tue es nicht. Ich habe in mir einen Esel, der die Hufe in den Sand schiebt und nicht vorwärts gehen will, während ich gleichzeitig an ihm ziehe. Ich merke, was das für eine Energieverschwendung ist.

 

Wer wärst du in derselben Situation ohne den Gedanken, dass du diese Aufgabe machen solltest? In meinem Beispiel merke ich, dass ich ganz still bin ohne den Gedanken. Friedlich. Ich sitze auf meinem Stuhl. Ich interessiere mich dafür, warum ich den Artikel jetzt nicht schreibe. Ich höre mir zu und schreibe die Gedanken dazu auf. Dann beginne ich den Artikel zu schreiben.

 

Wenn du diese Fragen für dich beantwortet hast, kehre den Gedanken um. Wie ist es für dich wahr, dass du diese Aufgabe nicht machen solltest? Warum ist es gut, dass du diese Aufgabe noch nicht erledigt hast?

Ich sollte den Artikel jetzt nicht schreiben. Woher weiß ich, dass das wahr ist? Ich tue es nicht. Ich sollte den Artikel jetzt nicht schreiben, weil in diesem Moment das richtige Thema noch nicht aufgetaucht ist. Weil mir das die Chance gibt, stressige Gedanken zu entdecken und durch THE WORK zu entschärfen. Weil mir genau das das richtige Thema für diesen Artikel gibt!

 

In meinem Beispiel habe ich das erledigt, von dem ich glaubte, dass ich es tun sollte. Ich habe in anderen Situationen auch schon die Erfahrung gemacht, dass ich in der Work erkannt habe, dass es einfach nicht der richtige Zeitpunkt war, diese Aufgabe zu erledigen. Auch in diesen Situationen hat mir die Work mehr Frieden gemacht. Ich musste dann diese Aufgabe nicht zu diesem Zeitpunkt erledigen. Welche Erleichterung. Ich schlage dir vor, dass du offen für dieses Ergebnis bist. THE WORK gibt dir Klarheit, wenn du offen für deine Wahrheit bist.

 

Was sind die Aufgaben, die du immer wieder aufschiebst? Nimm dir Stift und Papier und mache eine oder beide Übungen. Ich bin gespannt, was du entdeckst. Erzähle mir in den Kommentaren oder in einer Nachricht davon.

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