Wenn du diese 5 Wahrheiten über Fehler verstehst, kannst du ruhiger schlafen

Wie konnte ich nur so dumm sein?

 

Ich laufe mit meinem Sohn auf der Schulter im Wohnzimmer auf und ab.

 

Er schreit.

 

In meinem Bauch brodelt es. Die Zimmerdecke scheint heute niedriger über mir zu hängen als sonst. Meine Schultern sind hart und verkrampft.

 

Wie konnte ich nur glauben, dass es eine gute Idee sei, ein Jahr lang mit meinem Kind zu Hause zu bleiben?

 

Es sind erst vier Monate um, und ich habe bereits genug.

Mein Partner hatte mir vorgeschlagen, dass wir uns die Elternzeit teilen: jeder 6 Monate zu Hause.

 

Warum habe ich nicht ja gerufen und ihn mit Blut unterschreiben lassen, dass wir das tatsächlich so machen?

 

Wir alle machen Fehler.

#1 Du weißt nicht, was dir erspart bleibt.

Wir sagen, dass wir einen Fehler gemacht haben, wenn etwas nicht so läuft, wie es soll, und wenn wir eine gewisse Verantwortung bei uns sehen.

 

Wäre ich mit meinem Sohn zu Hause rundum glücklich gewesen, hätte ich mich dazu beglückwünscht, dass ich mir diese Zeit mit ihm gönne.

 

Da mir nach 4 Monaten bereits Erwachsenen-Gespräche gefehlt haben, kam mir das Jahr zu Hause plötzlich wie ein Fehler vor.

 

Ein Fehler ist der Unterschied zwischen Ist- und Soll-Zustand, also zwischen der Wirklichkeit und einer Vorstellung.

 

Einer Vorstellung davon, wie die Dinge laufen sollten.

 

Oft geht es dabei um eine Regel, ein Ziel oder ein Idealbild. Du solltest dich an Gesetze halten. Du willst gesund und glücklich sein.

 

Lass dir das mal einen Moment auf der Zunge zergehen.

 

Wenn du denkst „Das war ein Fehler“, dann vergleichst du etwas, das wirklich passiert ist, mit einer Sache, die nur in deinen Gedanken stattgefunden hat.

 

Kein fairer Vergleich, oder?

 

Du weißt nicht, was passiert wäre, wenn du dich anders verhalten hättest.

 

Vielleicht wäre ich noch viel unglücklicher gewesen, wenn ich vor der Geburt entschieden hätte nach 6 Monaten wieder arbeiten zu gehen.

Vielleicht wäre es im Job schwierig gewesen.

Vielleicht hätte ich gedacht, ich verpasse kostbare Monate mit meinem Sohn.

 

Vielleicht wäre ich auch am ersten Tag auf dem Weg zur Arbeit von einem Auto erfasst und überfahren worden.

 

Ich weiß es nicht.

Ich werde es nie erfahren.

 

Es ist ein schmutziger Trick von deinem Verstand, wenn er dich glauben lässt, es wäre besser gewesen, wenn du dich anders verhalten hättest.

 

Du musst das Ergebnis deiner Handlung nicht lieben. Mehr dazu später.

 

Aber erkenne an, dass du nicht wissen kannst, wie es sonst gelaufen wäre.

 

Wer weiß, was dir erspart geblieben ist.

 

Wenn du gerne das Gefühl der Reue loswerden möchtest, ist die nächste Wahrheit für dich.

#2 Wenn du etwas bereust, verstehst du dich nicht gut genug.

Du kannst die Vergangenheit nicht ändern.

 

Das ist dir sicherlich klar.

 

Wirklich?

 

Wenn du dir die Haare raufst und dir wünschst, dass du es anders gemacht hättest, dann tust du so, als ob du es doch ändern könntest.

 

Das kann dir helfen:

 

Mache dir bewusst, warum du getan hast, was du getan hast. Warum hast du diesen Fehler begangen?

 

Warum habe ich entschieden, ein Jahr zu Hause zu bleiben, obwohl mir Gleichberechtigung so wichtig ist? Obwohl ich möchte, dass mein Partner eine enge Bindung zum Kind aufbaut? Obwohl ich ihm vertraue, dass er ein guter Vater ist? Obwohl ich gerne arbeiten gehe? Obwohl ich gut verdiene, so dass das sogar finanziell sinnvoll wäre?

 

Warum?

 

Weil ich gerne ganz viel Zeit mit meinem Kind verbringen wollte. Weil ich gerne seine Entwicklung hautnah miterleben wollte. Zwischen sechs und 12 Monaten fangen Babys an, gezielt zu greifen, zu robben, zu krabbeln. Ich wollte dabei sein! Ich wollte eine gute Mutter sein.

 

Wenn ich mir das klar mache, dann bereue ich meine Entscheidung nicht.

 

Wenn du einen Fehler bereust, dann nimm dir Zeit, um herauszufinden, was dich angetrieben hat. Desto besser du dich verstehst, desto klarer wird dir, warum du so gehandelt hast. Und desto weniger bereust du.

 

Wenn du dich wirklich, wirklich verstehst und ein schales Gefühl zurück bleibt, dann ist die nächste Wahrheit für dich.

#3 Du kannst es wiedergutmachen.

Es gibt nur wenige Dinge, die unveränderbar sind. Die allermeisten Entscheidungen kannst du später ändern.

 

Ich konnte meinen alten Job nicht zurückbekommen, und das hätte ich auch nicht gewollt.

 

Das heißt aber nicht, dass ich die Situation nicht ändern konnte.

 

Als mein Sohn sechs Monate alt war, habe ich angefangen selbstständig als Coach zu arbeiten. Ich habe eine Webseite und einen Blog aufgebaut. Ich habe Wochenendseminare zum Thema Gelassenheit und Stressreduktion gegeben.

 

Das war das Beste, was mir passieren konnte.

 

Das war mein Weg, meinen „Fehler“ wiedergutzumachen. Mir selber gegenüber. Und auch meinem Sohn und meinem Partner gegenüber. Ich bin mir sicher, dass ich zufrieden und inspiriert eine bessere Mutter und Partnerin bin als frustriert und unglücklich.

 

Wie kannst du deinen Fehler wiedergutmachen? Denke dabei an dich selbst und auch an andere. Welche Entscheidungen kannst du ändern? Bei wem willst du dich entschuldigen? Wie kannst du das Beste aus der Situation machen?

 

Eine Form der Wiedergutmachung ist, etwas aus deinem Fehler zu lernen. Wie du das machst, darum geht es gleich.

#4 So kannst du effektiv aus deinen Fehlern lernen.

Vor einigen Jahren wollte ich alleine für ein Wochenende von São Paulo nach Rio de Janeiro fliegen. Ich habe mich darauf gefreut, mit einer Kokosnuss in der Hand in der Sonne zu sitzen und das Treiben am Strand zu beobachten.

 

Eine Freundin hat mich in São Paulo zum Flughafen gebracht. Ich stehe also mit meinem vollgestopften Rucksack in der Wartehalle. Auf der Anzeigetafel finde ich meinen Flug nicht. Ich bin verwirrt. Ich schaue nochmal.

 

Nichts.

 

Mein Herz klopft schneller, als ich mein Ticket überprüfe.

Mein Herz setzt einen Moment aus, und der Boden unter meinen Füßen wankt.

 

O nein, wie konnte das passieren?

 

Ich stehe am falschen Flughafen. Mein Flugzeug wird gerade an einem anderen Flughafen von São Paulo startklar gemacht. Ich habe keine Chance, diesen Flug noch zu bekommen.

 

Was habe ich aus diesem Fehler gelernt?

 

Nichts.

 

Das habe ich einfach ein einziges Mal vermasselt. Das passiert mir sonst nicht. Ich bin normalerweise sorgfältig und organisiert. Das war einfach ein blöder Patzer. Das Beste, was ich tun konnte, war zu überlegen, wie ich meinen Urlaub retten konnte.

 

Wenn du so einen Schnitzer machst, konzentriere dich auf Schadensbegrenzung und mache weiter.

 

Eine andere Situation, in der es kurzfristig nicht viel zu lernen gibt, sind Fehler, die du aufgrund einer Schwäche machst. Eine Schwäche hast du wahrscheinlich schon lange, kennst sie gut und hast auch schon mehrfach versucht, sie zu ändern.

 

Ich habe einen Freund, der fürchterlich nuschelt und auch ansonsten nicht sehr klar kommuniziert. Das ist so, seit ich ihn kenne. Er weiß das. Seine Freunde sagen es ihm oft genug. Er hat auch schon versucht, das zu ändern, aber bisher hat es nicht geklappt.

 

Wenn es nun zu einem Missverständnis kommt, weil er - mal wieder - falsch verstanden wurde, dann braucht er keine lange Analyse, um zu sehen, dass das mindestens zum Teil an ihm lag.

 

Es hat Sinn, klarere Kommunikation zu lernen. Es hat auch Sinn, zu akzeptieren, dass das nicht seine Stärke ist und zu überlegen, wie er Missverständnisse trotzdem vermeiden kann.

 

Aus welchen Fehlern kannst du wirklich lernen? Das sind die, die du beim nächsten Mal vermeiden kannst. Es gibt einen klaren Grund, warum sie passiert sind, und eine Möglichkeit das zu ändern.

 

Vor einer Weile habe ich einer Freundin eine Sprachnachricht gesendet. Während ich sprach, war ich angespannt und ärgerlich, weil mir gerade ein Blech in Schokolade getauchte Kokosriegel heruntergefallen war. So eine Sauerei auf dem Küchenfußboden.

 

Meine Freundin hat die Anspannung gehört und auf sich bezogen. Es gab tatsächlich etwas Ungeklärtes zwischen uns. Sie konnte nicht wissen, dass mein Ärger in diesem Moment nichts damit zu tun hatte.

 

Ich fand ihre Antwort auf meine Nachricht hingegen wirklich ärgerlich. Darüber haben wir uns gestritten.

 

Daraus habe ich etwas gelernt: Wenn ich ihr seitdem eine Nachricht schicke, während ich mich ärgere, dann spreche ich das aus und teile ihr den Grund meines Ärgers mit. Oder ich warte mit der Nachricht, bis ich in besserer Stimmung bin. Damit kommen wir beide besser zurecht.

 

Diese hilfreiche Unterscheidung habe ich übrigens aus dem Buch Designing your life von Bill Burnett und Dave Evans.

 

Nichts auf der Welt ist nur gut oder schlecht. Inwiefern dir das hilft, darum geht es in der fünften Wahrheit.

#5 Du kannst das Gute daran finden.

Eine Freundin von mir war schwanger und hat sich sehr auf ihr Kind gefreut. Kurz vor der Geburt ist das Kind in ihrem Bauch gestorben.

 

Sie war und ist unfassbar traurig.

 

Trotzdem möchte sie diese Erfahrung nicht missen. Sie fühlt sich durch die Auseinandersetzung mit dem Tod ihres Babys viel mehr mit dem Leben verbunden.

 

Sie hat zu mir gesagt: „Ich weiß jetzt, dass wir alle im selben Boot sitzen. Die meisten Menschen haben schon einmal großes Unglück erlebt. Ich fühle mich viel verbundener mit anderen Menschen als vorher.“

 

Sie ist für mich ein inspirierendes Vorbild dafür, wie man in den schlimmsten Situationen das Gute finden kann.

 

Lass mich ganz klar sagen: Es geht nicht darum, dir etwas schön zu reden.

 

Jedes Unglück hat auch sein Gutes. Die Frage ist, ob du dir erlaubst, es zu sehen. Wenn du mutig bist, frage dich: Was ist das Gute daran? Inwiefern ist das das Beste, was mir passieren konnte?

 

Ein scheinbarer Fehler, den du machst, kann sich als großes Glück herausstellen. Kennst du die Geschichte vom chinesischen Bauern, dem Sohn und dem Pferd? Wenn nicht, lies sie. (Du findest sie über Google.)

Fazit

Ob du unter Fehlern leidest, ob du überhaupt Fehler machst, hat viel mit deiner Sichtweise zu tun. Wenn du diese 5 Wahrheiten beherzigst, dann gibt es bald keine Fehler mehr, sondern nur verschiedene Wege, die das Leben nehmen kann.

 

Das heißt nicht, dass du zu jedem Zeitpunkt alles rosig findest. Es heißt, dass du dich darauf konzentrierst, jetzt das zu verändern, was du ändern kannst. Du hörst auf, dich über die Vergangenheit zu grämen und anzunehmen, dass du die Zukunft zu kennst.

 

Was ist der größte Fehler, den du je gemacht hast? Wie siehst du das heute? Erzähl mir in den Kommentaren davon.

 

Um die fünf Wahrheiten zu verinnerlichen, hilft es, wenn du dich mit deinen Vorstellungen und Überzeugungen auseinander setzt. Unterstützt dich deine Vorstellung von der Welt dabei, ein gutes Leben zu haben? Oder stehst du dir mit deinen Ansprüchen eher im Weg?

 

Meine Lieblingsmethode, um Frieden mit „Fehlern“ zu schließen, ist The Work of Byron Katie. Wenn du magst, zeige ich dir, wie sie funktioniert. Melde dich zu meiner E-Mail-Community an und erhalte exklusiv die Einladungen zur kostenlosen offenen online Gruppe.

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Mehr zum Thema Fehler findest Du auch im Magazin von The-Coach.Net!

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