So verdirbst du dir jedes Fest

Dein Geburtstag, Weihnachten oder der Valentinstag stehen vor der Tür. Du wünschst dir ein schönen Tag ohne Streit. Du erwartest, dass ihr euch alle ein bisschen zusammenreißt. Das kann doch nicht so schwer sein? Hier erfährst du, was du dafür tun kannst, dass die nächste Feier friedlich wird.

Was ist Liebe?

Liebe ist die Abwesenheit jeglicher Erwartung. Vor ein paar Tagen habe ich diesen Satz auf der Facebook-Seite von Byron Katie gelesen. In mir wird es ganz still, wenn ich diesen Satz lese. Ich fühle mich offen und verletzlich.

 

Der Satz erinnert mich daran, was Liebe ist. Und was Liebe nicht ist. Ich spüre meine Sehnsucht, diese Liebe zu leben.

 

Manchmal ist es allerdings so, dass ein Tag, der besonders schön werden soll, enttäuschend ist.

Wie deine Erwartungen dir das Leben schwer machen

Erwartungen sind Gedanken darüber, wie die Zukunft sein sollte. Hier sind einige Erwartungen, die mir vor Kurzem durch den Kopf geflitzt sind:

 

Weihnachten sollte schön sein.

Weihnachten sollte ein friedliches Fest im Kreise der Familie sein.

 

Meine Schwester sollte keinen Streit anfangen.

Sie sollte sich zusammenreißen.

Sie sollte ihre schlechte Laune für sich behalten.

 

Ich sollte den Blogartikel heute fertig stellen.

Ich sollte diszipliniert und effizient arbeiten.

 

Wenn mein Partner mich liebt, dann kümmert er sich um mich.

Dann nimmt er mich in den Arm und hört mir zu.

 

Manche Erwartungen sind uns so vertraut, dass wir glauben, dass wir sie brauchen. Hast du schon mal gedacht: Wenn mein Partner mich liebt, dann kümmert er sich um mich? Wenn er mich liebt, dann fragt er, wie es mir geht. Wenn er mich liebt, dann hört er mir zu.

 

Klingt das für dich positiv oder stressig?

 

Für mich ist es stressig. Auf welchen Zeitpunkt beziehen sich diese Erwartungen? Sollte mein Partner sich immer um mich kümmern? Das ist nicht sinnvoll: Er muss auch mal schlafen, duschen, arbeiten, essen etc. Sollte er sich meistens um mich kümmern? Oder jede Woche 3 Stunden? Woher weiß ich, ob er sich gerade jetzt um mich kümmern sollte?

Mein Partner sollte sich um mich kümmern - ist das wahr?

Neulich habe ich folgende Situation erlebt. Ich sitze mit meinem Sohn auf dem Sofa. Sein Spielzeug ist im ganzen Zimmer verteilt. Ich habe mit ihm Zug gespielt. Ich habe aus Bausteinen eine Straße mit ihm gebaut. Jetzt will er malen. Auf dem Teppich. “Malen! Teppich!” kann er mit 20 Monaten schon laut und fordernd sagen. In diesem ansteigenden Tonfall, den Kleinkinder verwenden.

 

Er ist unzufrieden. Ich bin genervt. In meinem Bauch machen sich Ärger und Unruhe breit. Ich rutsche auf dem Sofa hin und her. Ich atme wie gegen einen Widerstand ein. Ich möchte mein Genervtsein für mich behalten. Mein Ärger möchte raus.

 

Ich finde den Nachmittag anstrengend. Ich möchte meine Ruhe haben. Ich denke, dass mein Sohn zufriedener sein sollte. Ich finde ihn quengeliger als sonst und ich verstehe nicht, was er braucht. In diesem Moment kommt mein Partner nach Hause.

 

Wenn ich jetzt glaube: Mein Mann sollte sich um mich kümmern. Er sollte mir zuhören. Er sollte mir unseren Sohn abnehmen. Wie geht die Situation dann weiter?

 

Mein Sohn läuft seinem Papa entgegen. Ich sitze auf dem Sofa. Mein Ärger dehnt sich sofort auf meinen Mann aus. Warum kommt er nicht herein, um mich zu begrüßen? Ich hatte wirklich einen schlechten Nachmittag - ich brauche von ihm, dass er mich jetzt in den Arm nimmt und mir zuhört.

 

Als er 5 Minuten später ins Wohnzimmer kommt, funkele ich ihn abweisend an. Ich bin schon nicht mehr offen dafür, dass er mich in den Arm nimmt.

Ohne Erwartungen kannst du das Jetzt erleben

Wie wäre dieselbe Situation ohne den Gedanken: Mein Mann sollte sich um mich kümmern?

 

Mein Sohn läuft seinem Papa entgegen. Der Kleine umkreist ihn, während sein Papa sich die Schuhe auszieht und seine Sachen ablegt. Sein Papa freut sich über die begeisterte Begrüßung.

 

Ich sitze auf dem Sofa, schließe die Augen und spüre meinen Ärger. Ich kümmere mich um mich. Ich habe meine Ruhe. Endlich.

 

Wenn mein Partner in Ruhe angekommen ist, begrüße ich ihn. Ich erzähle ihm, dass ich keinen so guten Nachmittag hatte und genervt bin. Dann frage ich ihn, wie sein Tag war.

Die Folgen einer Erwartung

Wir vergessen oft, dass das Leben aus einzelnen Momenten besteht. Wenn ich glaube: Er sollte sich um mich kümmern, dann bin ich blind dafür, wie es jetzt gerade ist. Ich nenne das auch Schablonendenken. Als wären wir Puppen in einem Kasperletheater mit festen Rollen: Prinz, Kasperle oder Krokodil. So ist die Wirklichkeit aber nicht.

 

Wenn ich keine Erwartungen habe, dann kann ich ganz hier sein. Ich kann dich genau so sein lassen, wie du bist. Ich kann mich genau so sein lassen, wie ich bin. Ich fühle mich offen und verletzlich. Dieses Gefühl hat etwas von Gnade. 

 

Wenn du das nächste Mal etwas von dir oder jemand anderem erwartest, dann mach dir klar, dass das keine Liebe ist. Das ist eine Forderung.

 

Vielleicht findest du diese Forderung berechtigt. Untersuche, was sie in dir auslöst. Fühlst du dich wohl und offen mit dieser Forderung oder eng und hart? Mit den folgenden zwei Fragen kannst du die Folgen ausloten, die diese Erwartung für dich hat.

Wie reagierst du, wenn du das erwartest?

Nehmen wir nochmal den Gedanken: Er sollte sich um mich kümmern. Wie reagiere ich und was passiert, wenn ich das glaube?

 

In meiner Kehle wird es eng. Mein Herz fühlt sich härter an. Ich bin niedergeschlagen und fühle mich von ihm abhängig. Ich bin machtlos und fühle mich schwach. Ich bin traurig und denke, dass er mich nicht liebt, wenn er sich nicht um mich kümmert.

 

Dann ärgere ich mich. Ich will ihn angreifen und ihm sagen, dass er sich falsch verhält. Ich bin gedanklich in seinen Angelegenheiten, meine Aufmerksamkeit ist bei ihm. Ich habe eine klare Vorstellung davon, was er jetzt tun sollte.

 

Ich messe sein Verhalten daran, ob es zu meiner Vorstellung passt. Darüber muss ich lachen. Das ist doch Wahnsinn. Er ist weder Gedankenleser noch meine Marionette. Warum sollte er meine Vorstellung kennen und sich danach verhalten?

 

Alles in allem stelle ich für mich klar fest, dass der Gedanke keine positiven Folgen für mich hat. Er stresst mich. Ich fühle mich unwohl, wenn ich das glaube.

Wer wärst du ohne diese Erwartung?

Wer oder was wäre ich ohne diesen Gedanken? Er sollte sich um mich kümmern. Und er kümmert sich in diesem Moment nicht um mich.

 

Ich bin bei mir. Ich bin eine Frau, die auf dem Sofa sitzt. Ich spüre, wie es mir geht. Ich spüre meinen Ärger als Energie in meinem Brustkorb. Ich spüre Weite. Ich kümmere mich um mich. Ich bin froh, meine Ruhe zu haben. Ich fühle mich kraftvoll. Ich brauche meinen Mann in diesem Moment nicht. Er kann gar nichts für mich tun. Ich habe alles, was ich brauche. 

 

Diese beiden Fragen helfen dir dabei die Folgen deiner Erwartungen kennenzulernen. Du musst deine Erwartungen nicht absichtlich fallen lassen. Wenn du erfahren hast, was sie auslösen, dann lassen sie dich von alleine in Ruhe.

 

Die Erwartung Wenn mein Partner mich liebt, sollte er sich um mich kümmern. ist nur auf den ersten Blick vernünftig. Meine Erfahrung ist, dass es mir in keinem konkreten Moment hilft. Es ist ein Argument, um Ansprüche abzustecken. Selbstverständlich kann man Abmachungen treffen. Das ist aber keine Liebe. Das sind Abmachungen. Wenn man beides vermischt, entsteht Verwirrung.

Nun zu dir

Wenn du Liebe als einen dauerhaften Zustand voller Bedingungen beschreibst, dann führt das zu Verwirrung und Konflikten. Liebe ist immer jetzt.

 

Wenn du dir beim nächsten Fest darüber klar bist, dann kannst du deinen Teil dazu tun, einen friedlichen, schönen Tag zu erleben. So kannst du deinen Erwartungen auf die Spur kommen.

 

Glaubst du, dass Erwartungen notwendig sind? Erzähle mir in den Kommentaren davon.

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Kommentare: 2
  • #1

    Ute (Mittwoch, 19 Dezember 2018 10:28)

    Liebe Daria
    Danke für die Gedanken zu dieser Zeit. Es ist ein Geschenk. Jetzt wünsche ich mir, das ich das Geschenk richtig verwende. Beim Schreiben wird mir klar, dass dies eine Erwartung an mich ist. Aber damit will ich leben.

  • #2

    Daria (Mittwoch, 19 Dezember 2018 15:55)

    Liebe Ute,
    ja, du kannst dich entscheiden mit deiner Erwartung an dich selbst zu leben. Oder du entscheidest dich dazu, dass du einfach dein Bestes gibst und dir um das Ergebnis keine Sorgen machst, also kein bestimmtes Ergebnis, keinen bestimmten Standard erwartest. Was fühlt sich besser an?